Tier-Gottesdienst der OG Rhein-Main
Karin Stark, langjährige Yorkshire-Terrier-Züchterin im 1. Deutschen Yorkshire-Terrier-Club e.V. (1. DYC), Vorsitzende der 1. DYC-Ortsgruppe Rhein-Main, ist Initiatorin des Hundegottesdienstes sowie weiterer, viel beachteter Aktivitäten "ihrer" Ortsgruppe.

Sie nutzen die Freundschaft nicht aus
Zum Tiergottesdienst kamen auch viele Hundehalter von außerhalb

   Ein Gottesdienst der besonderen Art, zudem einmalig in Raunheim, vielleicht sogar in Deutschland. Die Ortsgruppe Rhein-Main im 1. Deutschen Yorkshire-Terrier-Club e.V. hatte alle Mitglieder und Freunde zu einem Tiergottesdienst mit anschließender Hundesegnung eingeladen.
   In einem separaten Raum im Gasthaus Zum Birkeneck, monatlicher Treffpunkt des Yorkie-Clubs, hatten sich zahlreiche Teilnehmer mit ihren Vierbeinern eingefunden. Auch viele Hundeliebhaber von außerhalb kamen zum Tiergottesdienst. Es sind einige Leute aus Groß-Gerau, Riedstadt, Mörfelden und sogar aus Frankfurt gekommen, freute sich natürlich die Vereinsvorsitzende Karin Stark über den regen Zuspruch. Nicht gekommen sind allerdings Besitzer von so genannten Kampfhunden. Doch das lag sicher nicht am mangelnden Interesse. Denn zur gleichen Zeit traf sich im Bembelsche der Tierschutzverein aus Kelsterbach. Die hatten leider zu spät von der Hundesegnung erfahren und konnten ihren Termin nicht mehr kippen, bedauerte Karin Stark.
   Neben vielen kleinen Yorkshire-Terriern waren auch die beiden Westhighland-Terrier der evangelischen Pfarrerin Swantje Arnold da, die ihrem Frauchen bei der Gestaltung des Gottesdienstes aufgeregt zuschauten. Auch ein schmucker Altar war aufgebaut herbstlich mit rotbraunen Blättern und Kerzen geschmückt und einem stattlichen Kreuz mit Jesus Christus.
   Der Gottesdienst stand im Zeichen des Heiligen Franz von Assisi, dem Schutzpatron der Tiere. Er hat die Vision Gottes erlebt, dass die Menschen mit den Tieren sprechen, sagt die Pfarrerin. Franz von Assisi habe einem Gespräch zwischen einer Ameise und einem Wolf gelauscht und dabei erfahren, dass der Wolf die Ameise vor dem Ertrinken gerettet hat. So ist das mit Freunden, die helfen sich, habe der Wolf seine Tat begründet.
   Tiere lieben uns, auch wenn es ihre eigene Kraft kostet, so Swantje Arnold in ihrer Predigt. Hunde stellten sich selbst nicht in den Mittelpunkt und sie nutzten die Freundschaft des Menschen auch nicht aus, sondern bewahrten den Gedanken von Gottesschöpfung, ist von der Pfarrerin zu vernehmen.
   Mit Weihwasser und einem Zweig segnete dann Swantje Arnold und ihr katholischer Amtsbruder Dr. Johannes Wangwen jeden Hund im Namen Gottes.
   Anschließend sprachen die Anwesenden die Fürbitten für ihre Tiere, dass sie vor Krankheiten und Gefahren beschützt werden. Am Ende des Gottesdienstes sprachen die Teilnehmer gemeinsam das Vaterunser und sangen ein Lied.
   Swantje Arnold richtete noch einen Appell an die Anwesenden: Wir müssen uns immer daran erinnern, wie gut die Tiere zu uns sind.
   Der Gottesdienst soll nun jedes Jahr abgehalten werden. Vielleicht nutzen dann auch die Besitzer von Kampfhunden die Gelegenheit und werden der Tiersegnung beiwohnen. Denn eine der Fürbitten richtete sich auch an Züchter: Den Hundezüchtern möge Gott mehr Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht geben, damit diese aus Profitsucht ihre Hunde nicht überfordern und alten Hunden einen schönen Lebensabend bieten. Eine Fürbitte, fanden die Anwesenden, die in der momentanen, angespannten Situation Gehör finden sollte.
(Aus: Freitags-Anzeiger, Raunheim)

Erst zu Hause, dann bei Freunden
und im Zirkus

Tiergottesdienst mit Pfarrerin Swantje Arnold

   Pfarrerin Swantje Arnold beim Tiergottesdienst: Wir müssen uns immer daran erinnern, wie gut die Tiere zu uns sind. In ihrer Predigt richtet die evangelische Pfarrerin Swantje Arnold diese eindringlichen Worte an alle Besucher.

   Und die Pfarrerin weiß, wovon sie spricht: Nach vielen Jahren Gottesdienst in der Kirche ist ihr Hauptgebiet nun die Seelsorge. Und dort habe sie erfahren, so Swantje Arnold, wie Menschen auf Tiere im allgemeinen reagieren. Durch Tiere kann man mit anderen Menschen auf einer völlig anderen Ebene kommunizieren. Verschlossene Menschen öffneten sich langsam für ein Gespräch, wenn Tiere mit dabei seien, ist sich die Pfarrerin ganz sicher.
   Auch bei der Arbeit mit behinderten Menschen habe sie das erlebt. Behinderte zeigten eine besondere Sensibilität für Tiere ohne jegliche Vorurteile.
   Mit Tiersegnungen hat sie zunächst erst im kleinen Kreis begonnen. Es hat zunächst bei den eigenen Tieren angefangen und ging dann im Freundeskreis weiter, erzählt sie. Dann habe sie Tiergottesdienste in der Kirche und sogar in einem Zirkuszelt abgehalten. Dort habe ich dann die Löwen gesegnet, erinnert sie sich stolz an das ungewöhnliche Unterfangen. Swantje Arnold möchte den Menschen die Schöpfung Gottes näher bringen und die Menschen dazu bewegen, Tiere mehr zu schätzen. Ich verstehe, daß es Menschen gibt, die Angst vor Tieren haben, sagt sie. Doch oftmals würden die Tiere von ihnen mißbraucht.
   Zu welcher Treue Tiere fähig seien, habe sie selbst immer wieder erlebt. Bei einer Beerdigung hat ein Schäferhund auf dem Friedhof am Grab seines Herrchens gesessen und getrauert, erzählt Swantje Arnold. Es sei fast unerträglich gewesen, wie das Tier um den Verlust des geliebten Menschen getrauert habe.
   Die Pfarrerin hat selbst zwei Hunde. Die beiden Westhighland-Terrier tragen die biblischen Namen Nathan und Naomi. Sie begleiten ihr Frauchen überall hin. Sogar in Italien, genauer in Assisi, waren wir schon zusammen, erzählt die Tierverliebte. Als sie das anspricht, pflichten die beiden Vierbeiner bellend bei.
(Aus: Freitags-Anzeiger, Raunheim)

Impressionen vom Hundegottesdienst der
1. DYC-Ortsgruppe Rhein-Main.
Fotos: Michael Kapp und
H. Fleischmann

Dr. Johannes Wangwen und Swantje Arnold beim Raunheimer Hundegottesdienst